Seltsame Erlebnisse

Da ist man für fast einen ganzen Monat in China (geplant waren zwei Wochen), und schon erlebt man Begegnungen der dritten Art, die verwirrend bis unerklärlich sind.

Beispielsweise in einem amerikanischen Schnellrestaurant einer bekannten Kette mit einem gelben Doppelbogen. Ein kleines Mädchen kam, unter Beobachtung ihres Vaters, zu mir an den Tisch und stellte sich, auf englisch, vor. Sie hatte offensichtlich gut in der Schule aufgepasst und wollte dieses Wissen nun ausprobieren. Gerne habe ich ihr Rede und Antwort gestanden.

Oder die Dame im Hotelfahrstuhl. Offensichtlich beschäftigte sie etwas mit ihrem Mobiltelefon, denn sie starrte angestrengt darauf. Dumm nur, dass die Fahrstuhlwände spiegelnd ausgeführt waren und man darauf erkennen konnte, dass sie vom Medizinalrat ein Foto machen wollte. Was ihr, aus den Augenwinkeln sah ich das, wohl auch gelang. Indes benötigte sie eine Weile dafür, so dass sie es fast verpasste, im richtigen Stockwerk auszusteigen.

Selbiges galt in ähnlicher Weise für eine junge Dame im Bahnhof von Baoding. Als Tipp für sie, wenn sie hier mitliest (was ich bezweifle): Wenn man von europäischen Langnasen Fotos oder Filmchen macht, dann bitte nicht vergessen: die LED auf der Handyrückseite vorher ausschalten! Die geht nämlich immer dann an, wenn man das Motiv anvisiert hat und aufnimmt. Es fällt minimal auf.

Und dann die Episode für die Desensibilisierten (die wissen schon, wer gemeint ist).
In Peking brachte man mich, da mein Flug zurück nach Deutschland morgens um 11 ging, die Nacht zuvor in einem Hotel in der Nähe des Flughafens unter. In der Nähe bedeutet hier: in der Anflugschneise der landenden Flugzeuge. Und zwar in solch Entfernung vom Flughafen, dass man den Maschinen ohne große Anstrengung beim Überflug den Bauch hätte streicheln können. Die Geräuschdämmung des Hotels gegenüber der Außenwelt war relativ gut, man hörte die Maschinen zwar, jedoch nicht in brüllender Lautstärke. Etwa alle drei bis fünf Minuten landete eine Maschine. Zur späten Schlafenszeit nach 23 Uhr wurde der Fluglärm eingestellt.

Kaum klang der Flugverkehr etwas ab, begann allerdings der Geschlechtsverkehr im direkten Nebenzimmer. Glauben Sie mir, es ist kein Spaß, einem kopulierenden chinesischen Pärchen akustisch beiwohnen zu müssen. Viele von Ihnen werden dieses Vergnügen wahrscheinlich noch nicht gehabt haben, damit können Sie sich in die Reihe der Glücklichen einordnen.
Chinesische Kopulationen klingen in etwa so wie das Geräusch bellender Seehunde. Allerdings mit höherer Tonfrequenz, da es das Weibchen ist, die für die Beschallung zuständig ist. Das Männchen gibt lediglich die Taktfrequenz vor. Und hält sich ansonsten akustisch zurück.

Nun liegt man im Bett und kann der Ausdauer chinesischer Männer frönen, Statistiken über die Kopulationsdauer erstellen, oder den Fernseher lauter drehen. Ich entschied mich für letzteres, obgleich mir die chinesische Sprache völlig unverständlich daherkommt. Irgendwann hörten dann auch die Geräusche im Nebenzimmer auf und ich konnte schlafen.

Bis sechs Uhr früh.
Dann startete der Zimmernachbar wieder durch und besorgte seiner Partnerin den Frühfi.. das Frühstück. Dieselbe akustische Untermalung wie in der Nacht, indes war der Herr wohl konditionsmäßig der ganzen Sache nur noch kurzfristig gewachsen und finalisierte, diesmal mit eigener Stimme, innerhalb weniger Sekunden.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das einzige Pärchen, das ich später beim Frühstück sah, jenes aus dem Nachbarzimmer war. Während sie ohne äußerliche Zeichen den Frühstücksraum aufsuchte, schlurfte er, ziemlich geschafft, hinterher.

Ich konnte leider nicht mehr sehen, was er zur Stärkung zu sich nahm.
NeonWilderness - 28. Nov, 21:49

Hm, vielleicht hätten Sie hinter der Wand — zeitlich leicht asynchron zur Frau — als räudiger freudiger Seehund mitbellen sollen. Das hätte den Mann sicherlich maximal verwirrt und womöglich ein schnelleres Ende provoziert. ;)

pathologe - 30. Nov, 16:41

Oder

im 7/8eltakt leicht zeitversetzt klopfen. Damit er sich auf die neue Frequenz einschwingen kann.
C. Araxe - 28. Nov, 22:41

Das kleine Mädchen konnte eigentlich gar nicht genug in der Schule aufpassen, denn an den meisten Schulen in China gibt es keinen mündlichen Englischunterricht, sondern rein schriftlich. Von daher ist es mehr als nachvollziehbar, dass jede Möglichkeit genutzt wird.

Dass der Fluglärm in Peking pünktlich um 23 Uhr aufhört überrascht mich etwas. Zumindest wird das hierorts nicht geschafft, wenn mal wieder die Flugschneise über dem Gruselkabinett ist.

Mein chinesischer „Lieblingskollege” kennt die Reeperbahn übrigens nur aus dem Internet. Womöglich war das gar nicht live, was Sie gehört haben. *g*

FrauDinktoc (Gast) - 28. Nov, 22:43

Der Nachbar wird die erweiterte Minibar ausprobiert haben. Nur kein Neid, Herr Medizinalrat!

pathologe - 30. Nov, 16:54

Hatten

wir denn schon ein Bild der erweiterten Minibar, damit die anderen Leser wissen, wovon wir sprechen?
Lo - 29. Nov, 16:14

Zur Stärkung

hat er sich vermutlich gebackene Affenherzen bestellt.
Süßsauer.

pathologe - 30. Nov, 16:49

Oder

Tai Ginseng - zur Stärkung der Abwehrkräfte (sollte sie oben gesessen sein).
tilak - 29. Nov, 22:00

Keine 10 Pferde würden mich nach China bringen - ich habe einmal in Thailand gesehen, wie Chinesen essen *schüttel*

pathologe - 30. Nov, 16:47

Chinesen

essen sehr effektiv: kaum was bleibt übrig, sie bevorzugen kurze Wege vom Teller oder der Schüssel zum Mund. Man sollte wirklich keine Kinder dabeihaben, die das als Vorbild benutzen würden.
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